Burn Out & Burn In - Dr. Thomas Gefaell

Burn Out & Burn In

Gepostet am Jul 16, 2014


Burn Out und Burn In

Das Hitzethema in der Daoistischen Medizin

Gleich vorweg: nicht nur Hitze! Aber zu einem guten Teil.

Nach Freudenberger und North kann man klinisch 12 Entwicklungsphasen unterscheiden, die – in die chinesische Syndromdiagnostik übersetzt – mit dem totalen Yin- und Yangkollaps enden, jedoch ursprünglich von einer simplen Herz-Nierendisharmonie ausgehen.
Die Disharmonie im Herzen heisst Gier. Ich will. Ich will mehr.
Die Disharmonie der Niere ist Angst. Meist Angst vor Verlust. Ursächlich Angst vor Liebesverlust.
Der Shen, der nicht ruht, ist liebesunfähig! Niere und Herz bedingen einander!
Das Wollen führt uns hinab zur Niere, für deren reines Qi Wille als emotionaler Ausdruck steht. Wenn aber das Wollen des Herzens den Willen der Nieren ausbeutet, dann wird das Nierenqi geschwächt. Das Nierenwasser kann das Herzfeuer nicht mehr löschen. Yin kann Yang nicht mehr halten. Dieses zischt hoch und schädigt seinerseits wiederum dabei das Yin. Wir befinden uns bereits in der Yinschwäche! Uns tut das Kreuz weh, wir sind unruhig und matt zugleich.

Die Yinschwäche alleine der Leber bewirkt, dass ihr Blut nicht mehr genährt wird. Es kommt zur Blutschwäche der Leber. Das schwache Blut kommt zum Stehen und mit ihm das Qi. Stagnation! Der Bauch bläht, wir fühlen inneren Druck. Dieser Druck blockiert aber auch das Dünndarmqi, welches in seiner eigenen Stagnation heiss werden und nach Jahren zum Dünndarmgeschwür führen kann. Die Aufgabe des Dünndarmes ist, Trübes vom Klarem zu trennen, dieses dem Shen zuzuführen und das Trübe über die Blase auszuscheiden.

Dieses physiologische Bild ist durchwegs und in erster Linie als psychische Metapher aufzufassen. Menschen in diesem Zustand sind in den meisten Fällen wahrnehmungs- und ausdrucksmässig getrübt – einfach ausgedrückt: reduzierter Shen!
Stagnation plus Hitze und Yinschwäche! Jetzt kommt Wind auf. Heisser Wind. Und dieser trocknet weiter die Flüssigkeiten und damit das Yin aus. Da er aufsteigende Qualität hat, geht er auch in den Kopf und führt zu wirren Gedanken.

Die Symptomatik wird noch schlimmer.

Milz ist durch Lebers verzweifelte Stagnationsausbrüche bereits deutlich geschwächt. Sie transportiert die Flüssigkeiten nicht mehr. Diese kommen ebenfalls zum Stehen. Und zusammen mit Hitze ergibt dieses unglückverheissende Konglomerat das TCM Syndrom Schleim-Hitze, die Basis ist für die Schizophrenie, falls sie als trüber Schleim den Kopf blockiert.

Die Kraft der Nieren versiegt allmählich. Der Shen entartet komplett, bis er sich auflöst und psychische Leere hinterlässt. Die Achse Herz – Niere ist zerbrochen. Erst kommt es zum Yinkollaps und anschliessend zum Yangkollaps, welches sich ungehalten in Zeit und Raum auflöst.
burnoutAbb1:Foto:brandXpictures/Mark Thornton
Im Diagramm Abb.1 sieht man psychische Auffälligkeiten, die den jeweiligen Stadien zugeordnet werden. Es beginnt in Stadium 1 mit dem Zwang, sich zu beweisen. Mangel an Selbstwert und zu wenig Vertrauen ins eigene Sein setzen den ersten Schritt dieser Kaskade. Auf der Basis einer „Urangst“ in die wir immer fallen, wenn wir aus der Liebe heraussen sind, beginnt eine Kaskade von destruktiven Veränderungen im Menschen, die ihn/sie immer weiter weg von der eigenen harmonischen Mitte bringt. Umwelteinflüsse wie verschiedenste Strahlungen haben sicherlich äthiologische Bedeutung.

Was nun? Wie gehe ich als daoistischer Arzt mit diesem Thema um?

Zuerst meine eigene Standortbestimmung. Bin ich im Yuan Shen Zustand eines daoistischen Arztes? Ist da Liebe – Mitgefühl – Freundlichkeit – Gleichmut? Habe ich selbst genügend Wasserenergie zur Verfügung, um das Feuer meines Patienten zu löschen. Vor einer solchen Behandlung stärke ich gerne meine eigenen Nieren und schliesse die Qi Gongübung mit „Herz und Nieren verbinden“ ab.

Als nächstes habe ich den Energiezustand meines Patienten zu erfahren. Ich verwende hierzu Puls-, Zungen- und Gesichtsdiagnostik. Ich stelle Fragen bezüglich Befindlichkeit, alltäglichen Lebensfunktionen wie Schlaf, Stuhl, etc. und erfühle und beobachte sehr genau seinen/ihren Shen, jene Instanz, von der dieses Leiden ja seinen Ausgang genommen hat. Diese Beobachtung hat mich selbst über die Jahre tiefer in die alte chinesische Gesichtsdiagnose eintauchen lassen. Die Augen eines Menschen verraten den Shen am Besten. Ich nehme mir die Zeit und die Freiheit, meinem/r Gegenüber wortlos eine Zeit lang entspannt in die Augen zu sehen, bevor ich beginne zu schauen, zu fragen und zu fühlen.
Mit diesen wenigen Ritualen gelingt es manchmal schon, den Shen des/r Gegenübers zu entspannen und zu ordnen. Mann/Frau spürt zum ersten Mal seit langem: Da ist was anders! Meine Annäherung an den Patienten ist behutsam.

Aus der traditionellen Untersuchung ergibt sich eine traditionelle Syndromdiagnose, die eines oder mehrere der angesprochenen Muster beinhalten kann. Und daraus ergibt sich die Therapie, die alles aus dem 5-Säulentopf der TCM verwendet. Inklusive traditionell-daoistische Fusswaschungen, die jedoch den ansich schon vollen Rahmen einer westlichen TCM Praxis sprengen würden.
Syndrome und Therapievorschläge findet man zu diesem Thema in meinem Beitrag über das „Burn Out Syndrom aus der Sicht der Psychosomatik in der TCM“ im Buch von Kerschbaum/Noll: Stressmagement in der TCM, das im Frühling 2006 bei ELSEVIER erscheinen wird.
Alleine die Kräuterstrategien würden ein kleines Büchlein ausfüllen, geschweige denn die Punktkombinationen, als auch die Qi Gong und Meditationsübungen, welche ich in meinen „8 Schätze Qi Gong Workshops“ präsentiere.

Der Ansatz ist klar:

Liebe – Mitgefühl – Freundlichkeit – Gleichmut
stehen
Verwirrung – Angst – Gier – Erschöpfung
gegenüber.
Und aus diesen Gegensätzen gestaltet das DAO wieder fliessendes Qi …